Führung war für mich lange gleichbedeutend mit Lautstärke, Macht und Unterwerfung. Dann kam Floyd: ein stattlicher Rhodesian Ridgeback, der auf Druck mit Gegendruck reagiert und sehr genau spürt, ob ich wirklich klar bin. Mit ihm habe ich gelernt, dass Führung auch leise sein kann. Dass sie Orientierung schenkt, Verantwortung übernimmt und Vertrauen wachsen lässt. Eine Erkenntnis, die weit über unser Leben am Ende der Leine hinausreicht.
Floyd hat mir dabei nicht nur etwas über das Führen eines Hundes beigebracht. Durch ihn habe ich verstanden, was Menschen brauchen, um sich sicher orientieren und ihren eigenen Weg gehen zu können.
Dieser Artikel ist mein Beitrag zu Maras Blogparade „Mein Tier und ich – eine Verbindung, die mein Leben veränderte“. Mara Hoffmann ist Katzenverhaltensberaterin und Pädagogin in Nordwestmecklenburg.
Von Katzenliebe und Kommandoton
Ich bin als Katzenmensch groß geworden. Bin immer noch einer, wir haben ja auch Katzen. Was ich schon als Kind an ihnen geliebt habe: Sie kommen und gehen, wann sie wollen. Sie schenken dir Liebe, wann sie es wollen, und nicht, wenn du danach verlangst. Wenn jemand eine Katze gepackt und zu etwas genötigt hat, was sie gerade gar nicht wollte, hab ich Partei ergriffen: Siehste nicht, die windet sich, lass sie doch in Ruhe.
Der erste war Max. Ein Kater, den der Mann meiner Mutter mitbrachte, als er bei uns einzog. Abends rollte sich Max auf meinem Kopfkissen in meine Halsbeuge und schnurrte mich ins Traumland, lange bevor Die-drei-???-Kassette zu Ende war und der Knopf mit einem lauten Klack in die Ruheposition sprang. Max schnurrte, ich schlief.
Hunde waren für mich lange ein anderes Kapitel. Ich bin in den 70ern und 80ern auf dem Dorf groß geworden, mit den Lassies und Boomern dieser Welt. Und vielen Schäferhunden. Wer einen Hof hatte, hatte einen Hofhund, der frei herumlief. Und die Menschen, die mit ihrem Hund tatsächlich Gassi gingen, taten das meistens genau dafür: damit der Hund sein Geschäft machte. Was man alles mit so einem Tier anstellen kann, Beziehungsarbeit, Tricks, ganze Sportarten, davon hatte ich keine Ahnung.
Was ich aber sehr genau kannte, war der Ton. Laut, autoritär, scharf. Ein Kommandokasernenton, den ich schon als Kind zutiefst verabscheut habe. Diese Hundemenschen waren für mich doof und rechthaberisch, und für mich stand fest: So will ich nie werden. Allein das Wort „führen“ war bei mir negativ besetzt, und widersprach allem, was ich mir unter einem Miteinander von Mensch und Tier vorstellte.
Was ich damals noch nicht unterscheiden konnte: Meine Abwehr galt nicht der Führung an sich, sondern der lauten, autoritären Form von Führung, die ich bis dahin kennengelernt hatte. Dass Führung auch leise sein und Sicherheit geben kann, sollte ich erst durch Keira lernen.
Keira öffnet die Tür
Angefangen hat meine Wandlung zum Hundemenschen aber nicht mit Floyd. Sie hat mit Keira angefangen.

Keira, unsere erste Ridgeback-Hündin, habe ich nicht selbst großgezogen. Sie ließ mich das Zusammenleben mit Hund überhaupt erst kennen und lieben. Der beste Hund von Welt, wie ich sie in Anlehnung an Ephraim Kishons Gattin als die beste Ehefrau von allen heute noch nenne. Sie hat mir die Tür zu einer Welt aufgemacht, von der ich vorher keine Ahnung hatte, und von der ich nicht ahnte, wie sehr sie mich verändern würde.
Sanftmut, ein kluger Blick, Ruhe – das war Keira. Wie viel darin steckte, habe ich einmal im Wald begriffen. Jemand hat mich dort wirklich erschreckt, und noch bevor ich selbst verstand, was in mir vorging, hatte sich diese feine, ruhige Ridgebackdame vor mich gestellt. Und gebellt. Ridgebacks setzen ihre Stimme eher sparsam ein. Wenn Keira bellte, hatte das Gewicht. Mit diesen tiefen Tönen, die bislang noch jeden beeindruckt haben – und die im Wald dramaturgisch passend nachhallten. Der Mensch ging in großem Bogen um uns herum und sagte nur: „Na, ich hoffe doch, der hat schon gefrühstückt.“ Mir war in dem Moment gar nicht klar, wie gut sie mich zu lesen vermochte – und wie krass sie sich an dieser Stelle vor mich gestellt hat.

Ihr Abschied kam plötzlich. Eine Diagnose, die uns erst Entwarnung gab, und drei Tage danach ein anderes, unerwartetes Leiden, das uns völlig überrollt noch am selben Tag zum Abschied zwang.
In derselben Nacht, in der Keira ging, wurde nur wenige hundert Meter entfernt Floyd geboren. Wir hatten zu dem Zeitpunkt keine Ahnung voneinander. Erst später habe ich verstanden, wie nah in jener Nacht Ende und Anfang beieinanderlagen.
Ich denke heute oft, dass ich Keira vieles nicht geben konnte, was ich heute geben würde. Ich wusste es damals schlicht nicht besser – und sie hat, genügsam wie sie war, nie so laut gefordert, wie Floyd es tut.
Das erinnert mich an frühere Reflektionsgespräche unter Erzieherkollegen, in denen wir uns immer wieder bewusst machen durften, unsere Aufmerksamkeit fair zu verteilen: Ein Kind, das still ist, wird leicht übersehen, wenn ringsum viele laut und auffällig darum buhlen. Störung hat eben Vorrang. Dafür zu sorgen, dass das so selten wie möglich passiert, ist eine Aufgabe – bei Kindern wie bei Hunden.
Leise Führung bedeutet für mich deshalb auch, nicht erst auf das zu reagieren, was unüberhörbar nach Aufmerksamkeit verlangt. Diese Erfahrung prägt heute meinen Blick als Coachin: Gerade das Leise verdient einen Raum, in dem es wahrgenommen werden und sich zeigen darf.
Dann kam Floyd
Dann kam Floyd. Mein zweiter Ridgeback, mein erster Welpe. In den ersten Nächten hat er sich in meine Halsbeuge gerollt, genau wie Max damals. Das fällt mir erst jetzt wieder ein.

Mit Floyd lebe ich nun im achten Jahr zusammen. Bin seit insgesamt fast 14 Jahren inzwischen auch ein Hundemensch. Ridgebacks gelten Fremden gegenüber als eher zurückhaltend. Floyd hat diesen Teil der Rassebeschreibung allerdings offenbar überlesen und begegnet Menschen zunächst einmal ziemlich unbefangen. In seiner ganzen stattlichen Größe, mit einem Hallo, ich bin der Floyd, wer bist denn du? Ich nenne es sein rheinisches Gen. Das hat er wohl von mir …
Als das Miteinander schwer wurde
Mit steigendem Testosteronspiegel kamen auch seine Eigenheiten, und mit ihnen mein Frust. Ich habe mich belesen, Kurse besucht, und bin doch an Grenzen gestoßen. Ich bin jemand, der verstehen möchte, warum etwas passiert. Die klassischen Übungen, Sitz, Platz, wie funktioniere ich in einer Gruppe, haben mir nicht gereicht, zumal Floyd von Anfang an schwer aushalten konnte, wenn er gerade nicht dran war. Das Thema Frustrationstoleranz begleitet uns bis heute – in vielerlei Hinsicht an beiden Enden der Leine.
Es gab eine Zeit, in der ich niemandem und nichts mehr begegnen mochte. Je größer er wurde, desto mehr hat seine sehr direkte, auf Menschen zugehende Art eingeschüchtert. Ich erinnere mich an einen gemeinsamen Spaziergang mit Hunden, bei dem das Kind eines Freundes die Hunde mit Leckerchen gefüttert hatte, aus purer Freude am Rufen und Belohnen.
Zwei Tage später, auf einem anderen Spaziergang, machte ich ihn auf den letzten Metern zum Auto los und Floyd lief im Galopp auf eine fremde Familie mit Kindern zu, bevor ich ihn abrufen konnte. Eltern und Kinder hatten große Angst, haben sich zur Schildkröte formiert, und ich musste mir anhören, dass man mit so einer großen Rasse doch aufpassen müsse.
Beschämt konnte ich den entrüsteten Eltern nur recht geben und mich entschuldigen. „Das hat er ja noch nie gemacht“, dachte ich bei Floyd, und zwar damals nicht zum ersten Mal.
Von dieser Begegnung habe ich bereits in meinem Artikel Was ich von meinem Hund gelernt habe erzählt – dort mit Blick auf Verantwortung und gegenseitiges Verständnis. Hier ist noch etwas anderes daran wichtig: wie schnell Floyd aus einer einzigen Erfahrung eine neue Verhaltensregel abgeleitet hatte.
Später im Auto auf dem Heimweg reflektierte ich mit meinem Mann, und plötzlich fiel es uns wie Schuppen von den Augen, warum Floyd soeben dieses, für uns vermeintlich völlig neue, Verhalten gezeigt hatte. Er hatte erst ein, zwei Tage zuvor gelernt, dass es sich lohnt, schnell und freudig zu einem Kind zu laufen, um eine tolle Belohnung zu bekommen. Dass das diesmal ausblieb und die Stimmung sich ganz anders entwickelte, hat ihn verständnislos zurückgelassen.
Diese Erkenntnis war unbequem und zugleich entlastend. Denn wenn das, was geschah, auch mit mir zu tun hatte, konnte ich etwas verändern.
Führung ist keine Eigenschaft, die ich entweder besitze oder eben nicht. Ich kann sie in dem Moment übernehmen, in dem ich erkenne, dass Orientierung gebraucht wird. Und mit jeder Erfahrung darf ich mehr in diese Fähigkeit und Qualität hineinwachsen.
Das andere Ende der Leine
Die Zeit in unser aller Leben, in der das öffentliche Leben kaum existierte, man sich nicht treffen durfte und nichts machen konnte, hat mir auf ihre Weise geholfen. Ich habe angefangen, mich mit aufbereiteten Videos, Dokus, Geschichten und Tutorials zu beschäftigen, und begann zu verstehen, wie viel von dem, was am anderen Ende der Leine geschah, mit mir zu tun hatte: mit meiner Unsicherheit, meiner Anspannung und meiner Erwartung an die nächste Begegnung.
Das hat mich am Anfang fürchterlich traurig gemacht. Ich war verzweifelt, habe viel geweint und sogar eine Zeit lang alles mögliche versucht, um nicht, oder bloß nur kurz mit ihm rauszumüssen. Ich hatte eine kurze, aber intensive Phase der Angst vor Begegnungen.
Nun, nicht mehr rauszugehen war keine Option. Also traf ich eine Entscheidung: Wir gehen weiter. Schritt für Schritt. Einen Spaziergang nach dem anderen. Schließlich wollte ich mit diesem Kerl, der ausgewachsen irgendwas um die fünfzig Kilo wiegen und an die siebzig Zentimeter hoch sein würde, gemeinsam durch die Welt gehen. Mit Freude. Gelassenheit. Entspannt.

Manche Tage waren leichter, andere fühlten sich wieder wie ein Rückschritt an. Doch jeden Tag konnte ich neu hinschauen: Was klappt heute schon? Wo gelingt uns etwas, das gestern noch schwierig war? Wann kann ich ruhig bleiben – und wann bleibt mein Hund ansprechbar?
Ich habe mir in dieser Zeit Unterstützung gesucht, immer wieder. Von unterschiedlichen Menschen mit unterschiedlichen Ansätzen. Nicht nur in Bezug auf die Beziehung zu meinem Hund. Auch in der Begleitung durch eine Heilpraktikerin konnte diese immer wieder Parallelen zu meinem Leben mit dem Hund entdecken und mir Spiegel vorhalten.
Eine Trainerin, die ich sehr schätze, hat uns über Spiel und ausschließlich positive Verstärkung schließlich wieder den Spaß und das Lachen in unser Leben zurückgebracht. Und sie hat mir eine Erkenntnis mitgegeben, die heute meine Arbeit als Coachin prägt: Veränderung muss sich nicht schwer anfühlen, um tief zu wirken.
Tiefe darf leicht sein.

Katja Schoonbergen
Was schon gelingt, darf wachsen
Diese Trainerin hat meinen Blick noch auf etwas anderes gelenkt: auf das, was bereits gelang. Auf jede Begegnung, die ein wenig ruhiger verlief. Auf jeden Moment, in dem ich meine eigene Anspannung früher bemerkte. Auf das Lachen, das nach und nach zurückkehrte.

Aus meiner pädagogischen Arbeit war mir dieser Zusammenhang vertraut: Ein Kind kann sich einem unbekannten oder schwierigeren Lernfeld leichter zuwenden, wenn es zuvor in einem anderen Bereich Sicherheit und Selbstvertrauen gewinnen konnte. Es braucht die Erfahrung: Ich kann etwas bewirken. Ich darf ausprobieren. Ich bin dabei sicher. Ich darf Fehler machen. Aus ihnen kann ich lernen.
Sicherheit gibt uns den Halt, von dem aus wir Neues wagen können.
Ohne Sicherheit geht eben nix!

Katja Schoonbergen
Genau diese Sicherheit haben wir uns ebenfalls aufgebaut. Jede Begegnung, die ein wenig ruhiger verlief, jeder Moment, in dem ich meine Anspannung früher bemerkte, und jedes gemeinsame Lachen stärkten unser Vertrauen. Indem wir wahrnahmen und belohnten, was bereits gelang, entstand ein sicherer Boden für den nächsten Schritt.
Während wir mitten in einer Entwicklung stecken, sehen wir häufig vor allem das nächste schwierige Stück des Weges. Erst viel später drehen wir uns um und erkennen, welche Strecke längst hinter uns liegt.
Dieser Zusammenhang prägt heute auch meine Arbeit als Coachin. Im Tiefendialog entsteht zunächst ein Raum, in dem du dich sicher genug fühlen kannst, um dich auch schwierigeren inneren Themen zuzuwenden. Gemeinsam schauen wir auf das, was gerade schwer ist – und ebenso auf das, was dich bereits trägt: Was gelingt dir heute anders? Wo ist schon Bewegung entstanden? Welche Fähigkeiten und Erfahrungen stehen dir längst zur Verfügung?
Manchmal braucht es einen anderen Menschen, der gemeinsam mit uns innehält und sagt: Schau einmal, wie weit du schon gekommen bist.
Gleichzeitig durfte ich lernen: Je mehr Druck ich aufbaue, desto mehr Gegendruck bekomme ich von Floyd zurück. Bei ihm zählen Klarheit und Souveränität. Alles andere macht mich für ihn unzuverlässig, und dann übernimmt er, entscheidet, führt. Genau dafür wurde seine Rasse einmal gezüchtet.
Rückblickend fiel diese Phase ziemlich genau mit meinem zweiten Burn-out zusammen. Ich war erschöpft, innerlich instabil und konnte mir selbst kaum Halt geben. Für Floyd muss das eine schwierige Zeit gewesen sein: Ich war für ihn nicht so klar, konsequent und verlässlich, wie er es gebraucht hätte. Damals wusste ich noch nicht, dass genau darin ein Grund für vieles lag, was unser Miteinander so anstrengend machte. Ich sah sein Verhalten – und übersah, wie viel von meiner eigenen Unsicherheit am anderen Ende der Leine bei ihm ankam.
Heute schreibe ich diesen Satz erstaunlich gelassen hin. Dabei steckt eine große Erkenntnis darin, die weit über das Zusammenleben mit einem Hund hinausreicht.
Wie schnell schauen wir auf das Verhalten eines anderen Menschen und bilden uns ein Urteil darüber. Dabei bleibt manchmal unbemerkt, was die Situation in uns berührt, welche Erwartungen wir mitbringen und welcher eigene Anteil gerade mit am Geschehen beteiligt ist.
Bei mir zu bleiben bedeutet für mich: meinen Anteil zu erforschen, ohne mir den Anteil des anderen anzueignen. Was macht das gerade mit mir? Warum trifft oder beschäftigt es mich? Gibt es etwas, dessen ich mich annehmen möchte?
Manchmal entsteht daraus ein nächster Schritt. Manchmal genügt ein: „Aha. Interessant.“ Und dann gehe ich weiter.
Warum mich das Wort „Führung“ früher so getriggert hat
Das Wort führen hatte mich früher deshalb so getriggert, weil ich es nur in einer einzigen Form kannte: laut, von oben herab, ohne Rücksicht darauf, was das Gegenüber gerade braucht. Führung hatte ich bis dahin lediglich insofern erlebt, als jemand Macht über jemanden ausübte, nicht etwa Verantwortung für jemanden übernahm. Macht und Willkür, des Amtes wegen. Keine Autorität aus eigener Weisheit, der man gerne folgt.
Wen wundert’s, dass ich mich jahrelang dagegen gewehrt habe, dieses Wort auch nur in den Mund zu nehmen. Floyd hat mir gezeigt, wie falsch dieses Bild war und wie wertvoll eine andere Form davon sein kann.

Was Führung ohne Druck wirklich heißt
Wenn ich versuche, ihn mit Druck zu bewegen, bekomme ich Gegendruck. Es gibt sogar eine Übung in einem meiner Trainings, wo ich genau das vorsichtig feststelle: wo ist der Druckpunkt meines Hundes?
Bei meinem samtweichen Betonbollerkopp ist das erstaunlich früh, weil er, wie mir diverse Hundetrainer live immer wieder bestätigt haben, sehr fein kommuniziert. Und sich schneller zurücknehmen kann, als man vermuten könnte.
Wenn ich klar bin, ohne laut zu werden, wenn ich verlässlich bin, dann folgt er mir, weil er weiß, woran er ist. Es ergibt Sinn für ihn. Er kann Verantwortung abgeben. Was ihn entlastet und entspannt.
Das ist der Unterschied, den ich heute sehe: Dominanz verlangt Unterwerfung. Führung schenkt Orientierung. Das eine schüchtert ein, das andere gibt Halt. Bei Tieren wie bei Menschen trägt auf Dauer das Vertrauen.
Heute lerne ich noch immer dazu. Und ich verstehe das Wort führen ganz anders als früher. Es hat nichts mit dem Kommandoton zu tun, den ich als Kind verabscheut habe. Es bedeutet, verlässlich zu sein, damit ein anderes Wesen sich auf mich verlassen kann, auch dann, wenn es unsicher ist oder Angst hat. Das gilt für Floyd – und, wie ich gelernt habe, ebenso für Menschen.
Diese Form von Führung prägt heute auch meine Arbeit im Tiefendialog Coaching: einen verlässlichen Rahmen geben, Orientierung anbieten und zugleich Raum lassen, damit ein Mensch seinen eigenen Weg finden kann.
Mein Coach auf vier Pfoten
Der Hund sucht sich den Halter aus, nicht umgekehrt, sagt man. Bei mir stimmt das. Floyd war und ist mein Coach, mein Persönlichkeitsentwickler par excellence.
Dazu fällt mir ein Buch ein, das ich wegen unserer Liebe zu Rhodesian Ridgebacks geschenkt bekommen habe: Nortons philosophische Memoiren – verfasst von Norton Kirkegaard, aufgezeichnet von Håkan Nesser. Ein Ridgeback, der philosophiert. Zwei Philosophen bei der Arbeit.

Vielleicht sind Floyd und ich genau das: zwei, die sich gegenseitig lesen und dabei nie ganz fertig werden.

Mara fragt in ihrer Blogparade nach einem Tier, nach dem nichts mehr war wie vorher.
Bei mir waren es zwei: Keira hat mir die Tür geöffnet. Floyd hat mich hindurchgeführt.

Was geschieht an deinem Ende der Leine?
Gibt es auch in deinem Leben eine Situation, in der dein Blick immer wieder beim Verhalten eines anderen Menschen landet? Und was zeigt sich, wenn du ihn für einen Moment zu dir zurückholst?
Was macht das gerade mit dir? Was davon gehört zu dir? Und welcher nächste kleine Schritt könnte daraus entstehen?
Danke, liebe Mara, für die Einladung zu deiner Blogparade und den Anstoß, meine Geschichte mit Floyd aufzuschreiben.

Liebe Katja,
zwei so wunderbare Hundepersönlichkeiten an deiner Seite, die dich so viel gelehrt haben.
Ich habe deinen Beitrag mit Freude gelesen und kann so Vieles davon nachvollziehen und mitfühlen.
Wenn wir uns auf die Beziehung zu unseren Tieren einlassen, dann lernen wir nicht nur unglaublich viel über unser Miteinander, sondern auch unglaublich viel über uns selbst.
Und manchmal verändern sich dadurch Glaubenssätze oder unsere Sicht auf bestimmte Themen. Deine Erkenntnis zum Thema Führung ist so wertvoll. Wenn alle Hunde-Menschen diese Erkenntnis hätten und danach leben könnten, wären viele Hunde nicht so verloren in unserer Welt.
Herzliche Grüße
Johanna
Dankeschön, liebe Johanna. 💜
Ja, ich bin sehr dankbar für diese beiden wundervollen Herzenswesen und teile deine Sichtweise.
In unseren fast acht gemeinsamen Jahren habe ich manche Mensch-Hund-Teams immer wieder getroffen und dabei traurig wahrgenommen, wie wenig Veränderung von außen erkennbar war.
Und ich habe andere Begegnungen erlebt: Ich habe mich getraut, etwas anzusprechen, und wir konnten eine entspannte Basis für alle Zwei- und Vierbeiner schaffen. So ließ sich gemeinsam an Stellschrauben drehen – ich bei mir und mein Gegenüber bei sich.
Gemeinsam wachsen macht am meisten Freude, finde ich.
Führung ohne Druck und das Bild mit Floyd in den Rosen das ist ein schöner Gedanke. Es spricht mich an, ich denke ich habe mich ähnlich gegen den Begriff gewehrt.
Dankeschön für deine Rückmeldung, liebe Ute 💜
Ich finde es immer wieder spannend, wie viel uns unsere Gegenwehr über uns selbst und unsere bisherigen Erfahrungen erzählt. Sie lädt uns ein hinzuschauen, was wir mit einem Begriff verbinden – und ob wir ihn heute neu oder weiter denken möchten.
Liebe Katja,
das ist wirklich ein toller Artikel. Ich glaube viele „erst Hundehalterinnen“ können mit der fühlen. Mich hat meine Hündin auch am Anfang deutlich an meine Grenzen geführt. Ein Gassi-Freund von mir hat auch einen Rhodesian Ridgeback. Ich finde auch, dass das eine besonders tolle Rasse ist. Er macht Mantrailing mit seiner Hündin.
Ich wünsche dir auf jeden Fall weiterhin viele tolle Erlebnisse mit Floyd.
Liebe Grüße, Rita
Vielen Dank für deinen schönen Kommentar, liebe Rita. 💜
Es tut immer gut zu hören, dass man mit seinem Thema nicht allein ist. Für uns Menschen ist Verbundenheit ebenso wichtig wie für den Hund das Rudel.
Mantrailing machen wir in einer Schooni-Freizeit-Variante: Einer wartet mit Floyd, bis sich der andere versteckt hat. Dann darf er suchen. Floyd liebt Suchspiele, ist dem Trickdogging zugeneigt und hat mich beim Shaping mein eigenes Timing verfeinern lassen.
Dass es der Rhodesian-Ridgeback-Hündin ebenfalls gefällt, wenn die feine Nase einmal ganz offiziell die Führung übernehmen darf, glaube ich sofort. :o)
Ich wünsche dir und deiner Hündin ebenfalls noch viele schöne gemeinsame Erfahrungen.
Liebe Grüße, Katja