Was uns von unseren Vorhaben abhält – sechs Frauen erzählen. Und ich entdecke beim Auswerten auch mein eigenes Thema neu.
Nicht selten höre ich: „Eigentlich wollte ich …“ und hier ist bereits im Satzaufbau impliziert, dass es irgendwie anders kam. Als gedacht, als geplant, als vorhergesehen, als gewünscht, …
„Eigentlich wollte ich …“ – so nenne ich die Momente, in denen ein Vorhaben, das uns guttun würde, hinter etwas anderem zurückbleibt.
Das hat mich eine Zeit lang bewegt, weswegen ich wissen wollte, wie es anderen damit geht. Angeregt durch Umfragen zu einer Vielzahl von Experten- und Herzensthemen in meiner Blog-Community, hat es mich gepackt: ich wollte ebenfalls einladen und einmal hinter das schauen, was uns dazwischenkommt – im Alltag und in uns selbst. Ist es wirklich die Zeit, wenn wir sagen: „Ich hab keine Zeit für mich“?
Diesmal wollte ich nicht nur mich selbst reflektieren und auch keine bloßen Vermutungen in den Raum stellen, sondern habe zu einer Umfrage eingeladen.
Eigentlich wollte ich diesen Artikel über die Erkenntnisse meiner Auswertung übrigens bereits Anfang Oktober schreiben, aber…
Nun ja, lies selbst, wie sowas von sowas kommen kann. Und natürlich, wie andere die Frage erleben.

Die verlorene Wette
Wir wissen es ja: jeder Tag wartet mit 24 Stunden auf uns. Zuverlässig. Okay, eher ziemlich zuverlässig, denn heute Nacht hat uns die Zeitumstellung ganze 25 Stunden für diesen Sonntag beschert. Kaum eine Regel ohne Ausnahme.
Als ich nun mein Umfrage-Thema über die Blog-Community, facebook, instagram, LinkedIn und WhatsApp verbreitet habe, klangen die Antworten auf meinem gedanklichen Wett-Zettel ziemlich vertraut:
❥ Ich hab keine Zeit für mich.
❥ Ich weiß nicht, wann ich das auch noch machen soll.
❥ Erst wenn dies oder jenes erledigt ist, nehme ich mir Zeit für mich.
Genau das interessierte mich. Was steckt dahinter?
Und was entdecken wir, wenn wir Zwiebelschicht für Zwiebelschicht genauer hinschauen?
Die Zeit tauchte in den Antworten durchaus auf. Beim genaueren Lesen wurde aber sichtbar, was alles mit ihr verwoben ist: eigene Ansprüche, die Bedürfnisse anderer Menschen, Erschöpfung und die Frage, ob ich mir das, was ich vorhabe, überhaupt erlaube.
Klassischer Fall von „Denkste“
Ich hätte also auf Zeitmangel als häufigste Antwort gewettet – und diese Wette glatt verloren. So haben fünf von sechs Frauen in meiner kleinen Umfrage „Eigentlich wollte ich …“ angegeben: „Etwas anderes war gerade interessanter oder dringender“. Nur eine wählte zusätzlich „Zeitlich ging es sich einfach nicht aus“.
Ich kenne mein eigenes „Eigentlich wollte ich …“ ziemlich gut. Gerade in den vergangenen Wochen hatte ich reichlich Gelegenheit, es im Alltag zu beobachten.
Inzwischen sage ich selbst nur noch selten, dass mir die Zeit für mich fehlt. Eher bemerke ich: Offensichtlich nehme ich sie mir dafür gerade nicht.
Damit verändert sich meine Frage.
❥ Wofür nehme ich mir stattdessen Zeit?
❥ Was bekommt Vorrang?
❥ Habe ich mich bewusst dafür entschieden?
❥ Oder bin ich schlicht über ein „noch schnell“ zur nächsten Tätigkeit geraten?
Das beschäftigt mich auch als Coachin.
Mir ist es wichtig, Menschen dabei zu begleiten, ihre Bedürfnisse und Handlungsmöglichkeiten besser wahrzunehmen, damit sie den für sie stimmigen nächsten Schritt finden.
Deshalb habe ich auch gefragt, welche Unterstützung hilfreich wäre. Die Antworten ergänzen meine eigenen Erfahrungen. Und sie haben meinen Blick auf das vermeintliche Dazwischenkommen noch einmal verändert.

Zehn Minuten für mich. Eigentlich.
Drei der sechs Frauen wollten unter anderem eine Pause machen, die nur ihnen gehört.
Hanna beschreibt, wie aus diesem kleinen Vorhaben ein „später“ wird:
Das passiert mir ständig, eigentlich will ich eine kleine Pause machen, nur mal 10 Minuten, die nur mir gehören.
Dann hat noch jemand eine Frage. Der Hund schaut, ob sie ihn hinauslassen kann. Die Wäsche könnte noch angestellt werden, eine Nachricht wartet auf Antwort.
Und dann bin ich oft traurig, dass ich den ganzen Tag nicht einmal 10 Minuten für mich hatte
Zehn Minuten. Das ist auch die Zeitspanne, die Marion in ihrem Wunsch für sich nennt. Es geht hier um etwas so Überschaubares. Und trotzdem kann es zwischen den Anforderungen eines Tages verschwinden.
Eine Teilnehmerin beschreibt den Gedanken, der bei ihr davorsteht:
Nur noch das schnell erledigen, denn dann sind meine Pflichten brav, gut, zeitgerecht, pflichtbewusst, endlich erledigt
Noch schnell. Ich kenne diese beiden Wörter ausgesprochen gut. Sie klingen harmlos, klein und machbar. Danach ist die Sache vom Tisch. Danach kann ich mich endlich meinem eigenen Vorhaben widmen.
Nur lässt sich fast immer noch irgendetwas erledigen.
Steckt hinter „keine Zeit“ eine fehlende Erlaubnis?
Bei Marion wird besonders deutlich, wie die Zeitfrage mit der Erlaubnis für eigene Bedürfnisse zusammenhängt. Marion erzählt von ihrer gewünschten Pause:
Dann sitze ich da und denke: ganz schön egoistisch.
Ihr Kind möchte auf den Spielplatz. Sie streicht ihre Pause.
Auch etwas Kreatives würde sie gern anfangen:
Ich sage mir, dass dafür zu wenig Zeit ist, und fange gar nicht erst an, weil ich denke, dass ich es eh nicht fertig bekomme.
Hier berührt mein erster Gedanke vom Zeitmangel eine weitere Ebene.
❥ Welche Vorstellung steckt dahinter, wie viel Zeit etwas brauchen darf?
❥ Muss es gleich fertig werden?
❥ Und darf meine Pause einen Platz bekommen, obwohl jemand anderes auch einen Wunsch hat?
Drei von sechs Frauen nannten bei den beteiligten Bedürfnissen und Erwartungen ihre eigenen Ansprüche an sich selbst. Ebenso viele wählten die von Kindern oder Menschen, für die sie sorgen.
Der enge Zusammenhang zeigt sich auch, wenn sie schreibt, dass eine feste Zeit, in der ihr Mann mit dem Kind auf den Spielplatz geht, ihr geholfen hätte:
Er hätte es wahrscheinlich gemacht, wenn ich ihn gefragt hätte. Aber dann kommt das Gefühl, dass ich mein Kind abschiebe und eine schlechte Mutter bin.
Das schlechte Gewissen ist schneller als jede Pause. Ihr Wunsch:
Ich wünsche mir, dass ich mir selbst glaube, dass ich keine schlechte Mutter bin und dass es okay ist, wenn ich mal zehn Minuten für mich habe.
Eine mögliche Unterstützung ist greifbar.
Sie anzufragen berührt aber das eigene Bild davon, wie eine gute Mutter sein sollte.
Bei mir hat diese prüfende Stimme einen Namen: mein innerer Cerberus. Er bewacht den Eingang und schaut gern noch einmal nach, ob ich mir das, was ich vorhabe, auch verdient habe.
Manchmal ist die Frage nach der Zeit also erst der Anfang.
Auch das Herzensprojekt kann „dazwischenkommen“
Anjas Antwort hat meinen Blick auf das Thema erweitert.
Sie wollte mehrere Aufgaben weiterbearbeiten: Ausgaben prüfen, ein PC-Backup machen, etwas basteln. Stattdessen begann sie einen neuen Blogartikel und schrieb den ganzen Abend daran.
Ich habe mich ganz in den Artikel vertieft. Zwischendurch und auch hinterher habe ich gedacht „Du wolltest doch eigentlich das und das noch fertig machen, egal mache ich es morgen“. Zum Glück habe ich zurzeit Urlaub.
Mein erster Blick auf „Eigentlich wollte ich …“ war: Da ist ein Vorhaben. Dann kommt etwas dazwischen und hält mich davon ab.
Bei Anja allerdings hat das Schreiben gewonnen. Sie hat sich vertieft, etwas gestaltet.
Und trotzdem meldeten sich zwischendurch die unerledigten Aufgaben.
Die bewertende Stimme findet offenbar auch dann etwas zu tun, wenn wir gerade mit Freude bei einer Sache sind.
Eine andere Teilnehmerin hatte sich vorgenommen, sich wegen eines Treffens noch einmal bei einer Freundin zu melden. Sie erwartete allerdings den nächsten Schritt von der anderen. Als der ausblieb, war sie beleidigt. Über ihre eigene Reaktion schrieb sie:
Ich habe mich für meine Anspruchshaltung getadelt.
Das Bewerten wurde während dieser Woche auch für mich immer aufdringlicher.
❥ Was glaube ich über mich, wenn etwas liegen bleibt?
❥ Und welchen Maßstab lege ich an meinen Tag?
Schon „dazwischengekommen“ erzählt eine Geschichte
„Eigentlich wollte ich …, aber dann ist mir … dazwischengekommen.“
Schon mit diesen Worten richte ich meinen Fokus auf die Abweichung. Ich hatte einen Plan. Etwas hat ihn gestört. Ich war dabei passiv. Dieses Etwas war zumindest ungeplant oder unerwartet, eventuell sogar ausdrücklich ungewollt.
Was ich ursprünglich vorhatte, steht jedenfalls noch immer unerledigt da. Und ich stehe daneben und denke womöglich: Wieder nicht geschafft. Dabei möchte ich doch eigentlich erst einmal lediglich genauer wissen, was tatsächlich geschehen ist.
Bei mir brauchte in den letzten Wochen eine familiäre Notfallsituation viel Aufmerksamkeit. Es gab Dinge zu klären, zu recherchieren und neu zu organisieren. Neben dem normalen Alltag her.
Parallel habe ich zusätzlich beruflich unterstützt, während zwei Kolleginnen gleichzeitig im Urlaub waren. Ich wollte entlasten und meine Wertschätzung zeigen.
Das konnte ich auch.
An einigen Tagen war ich anschließend allerdings vor allem eines: müde.
Wenn ich nun sage, all das sei meinem Artikel dazwischengekommen, betrachte ich diese Zeit vor allem vom unerledigten Artikel aus. Ebenso kann ich meine Perspektive ändern und bewusst wahrnehmen, dass ich unterstützt, mitgedacht und organisiert habe.
Das hat Zeit und Kraft gebraucht.
Beides stand danach für andere Vorhaben weniger zur Verfügung.
Ich muss die Umstände nicht schön finden, um würdigen zu können, was ich getan habe.

Katja Schoonbergen
Manche Hindernisse brauchen eine ganz praktische Lösung
Sabine bringt eine weitere Perspektive hinein. Das „Eigentlich wollte ich …“ ist ihr sonst kaum vertraut, schreibt sie. Meistens setzt sie um, was sie sich vornimmt. In der von ihr konkret beschriebenen Situation steht ihrem Vorhaben eine schwere Eingangstür im Weg:
Kann mit meinem Rollator (noch) nicht alleine die schwere Eingangstür öffnen.
Sie berichtet außerdem, dass sie beim Öffnen gestürzt ist und allein nicht wieder hochkam.
Hier haben sich die Voraussetzungen für den nächsten Versuch ganz konkret verändert. Es brauchte Sicherheit und eine praktische Lösung.
Über ihre Reaktion schreibt Sabine:
Mich ärgert kurz mein Nicht-Können
Ich mag übrigens das kleine Wörtchen „noch“ in ihrer Antwort zur Tür. Das lässt Raum für die Möglichkeit, dass sich die unfreiwillige Situation künftig ändern kann. Denn zunächst ist da Ärger und Mutlosigkeit. Beides darf sein.
Allein deshalb gehört ihre Erfahrung für mich unbedingt dazu.
Beim genaueren Hinschauen können wir nämlich auch erkennen, wo unser eigener Gestaltungsspielraum gerade begrenzt ist und welche Unterstützung tatsächlich gebraucht wird.
Außerdem können wir bewusst wahrnehmen, dass das, was gerade IST, so nicht bleiben muss. Das schafft Spiel-Raum für Optionen, „schmeckt“ nach Selbstwirksamkeit.
Und es lässt womöglich den Ärger ein wenig versöhnlicher verrauchen und setzt ans Ende der Mutlosigkeit einen Hoffnungsschimmer.
Wie mir Journaling hilft, wenn Vorhaben liegen bleiben
Journaling hilft mir, Aufgaben und Gedanken erst einmal aus dem Kopf zu holen und danach in Ruhe zu sortieren.
Während dieser Umfragewochen habe denn auch ich mein persönliches Journal wieder intensiver genutzt. Ich wollte einfach genauer sehen, womit ich meine Zeit denn nun wirklich verbringe. Ich musste mir auch bestimmte Dinge notieren, die völlig neu für mich waren. Allein, damit ich immer wieder abschalten konnte.
Beim Journaling halte ich nämlich fest, was ich aus dem Kopf bekommen möchte: Aufgaben, Ideen, Gedanken, offene Fragen. So müssen die nicht dauernd in meinem Kopf kreisen oder mich befürchten lassen, irgendetwas zu vergessen.
Erst danach ordne ich.
❥ Was braucht jetzt meine Aufmerksamkeit?
❥ Was ist mir wichtig?
❥ Wofür habe ich heute Kapazität?
Manches verschiebe ich auf einen Tag mit günstigeren Voraussetzungen. Wenn ich mehr Ruhe habe. Wenn eine fehlende Information da ist. Oder wenn etwas mit weniger Reibung möglich wird.
Dabei entdecke ich gelegentlich auch, was ich beispielsweise so alles in drei Stunden unterbringen möchte.
Mitunter lächerlich – jedenfalls ohne Flux-Kompensator.
Denn ich kann mich leider nach wie vor nicht von A nach B beamen oder mit DEM DeLorean in der Zeit reisen.
Ein Beispiel aus meinem jüngsten Alltag:
Montagmorgen. Der Bügel meiner Brille bricht ab. Ein Besuch beim Optiker stand heute eigentlich nicht auf dem Plan.
Also erst einmal schauen: Wann hat er geöffnet, und wann komme ich hin? Telefonisch einen Termin abstimmen. Die Brille einpacken, die Sachen zusammensuchen, losfahren. Zur Fahrt kommt die Parkplatzsuche. Ein Automat, der kein Wechselgeld zurückgibt. Dann zum Geschäft laufen, warten, bis ich dran bin.
Brauche ich eine neue Brille? Oder lassen sich die Gläser in ein anderes Gestell einsetzen? Dann will eines ausgesucht und eine Entscheidung getroffen werden, die ich heute Morgen noch gar nicht auf dem Zettel hatte. Irgendwann bin ich wieder zu Hause. Der Besuch beim Optiker hat nun einen guten Teil der Zeit gebraucht, in der ich eigentlich etwas anderes vorhatte.
Schau ich nun am Abend nur auf meine ursprüngliche Liste, kann ich da womöglich weniger abhaken. Und: ich habe mich um meine Brille gekümmert.
Gut, wenn ich mir das beim Blick auf meinen Tag auch liebevoll vergegenwärtige, wenn ich für mich schon bewerte, was ich so alles geschafft habe.
Auf dem Papier erkenne ich jedenfalls leichter, ob mein Vorhaben überhaupt in den Tag hineingepasst und wieviel Puffer ich möglicherweise berücksichtigen darf.
Das gibt mir mehr Gestaltungsspielraum.
Schließlich kann ich jederzeit neu entscheiden, statt mich an dem zu messen, was ich nicht geschafft habe.
Mein RückBlog erzählt mir ehrlichere Geschichten
Wie aufschlussreich und heilsam dieser zweite Blick sein kann, erlebe ich immer ganz besonders bei meinen RückBlogs.
In meiner Blog-Community und bei unseren Leserinnen und Lesern ist dieses Format sehr beliebt. Zum Beispiel schauen wir in einem Monats-RückBlog darauf zurück, was uns im vergangenen Monat beschäftigt und bewegt hat.
Mein letzter liegt übrigens schon eine ganze Weile zurück. Witzigerweise, WEIL so viel los war. UND weil ich mir dafür die Zeit nicht genommen habe.
Wenn ich dann wieder einmal kurz versucht bin, dem Märchen Glauben zu schenken, ich hätte diese Woche oder diesen Monat nicht viel geschafft, darf ich mich anhand meiner eigenen Notizen selbst eines Besseren belehren … lassen.
Ach ja, sehe ich dann oft bunt auf weiß, das war auch noch. Und dieses Gespräch. Die Unterstützung, die gerade gebraucht wurde. Etwas, das endlich fertig geworden ist. Der abgebrochene Brillenbügel samt ungeplanter Fahrten in die Stadt zum Optiker. Und. Und. Und.
Dabei wird mir bewusst: Interessant, was wir so über uns glauben. Wofür wir uns innerlich schelten. Und wie selbstverständlich wir unsere eigene Bewertung für wahr halten.
Meine Notizen geben mir die Gelegenheit, das zu überprüfen.
❥ Was habe ich über diese Woche gedacht?
❥ Und was sehe ich, wenn ich sie mir noch einmal anschaue?

Was wir uns selbst wünschen
Ich habe zudem gefragt, was in der beschriebenen Situation geholfen hätte und was der Wunsch für eine ähnliche Situation wäre. Die Antworten führen noch einmal weiter. Hanna benennt ihren Ansatz ganz klar:
Meinem Bedürfnis nach einer Pause mehr Priorität zu schenken
Was sie sich wünscht?
Entweder weniger to dos (unrealistisch) oder mehr Augenmerk auf meinem Bedürfnis (Lernfeld)
Eine andere Teilnehmerin möchte für ihre Bedürfnisse einstehen, ohne jedes Mal mit sich oder den möglichen Reaktionen anderer ringen zu müssen:
Dass ich ganz bewusst und klar für mich und meine Bedürfnisse einstehe – ganz selbstverständlich
Dieses „ganz selbstverständlich“ beschreibt einen auch für mich wichtigen Wunsch:
❥ Wie wäre es, die eigenen Bedürfnisse beim Planen von Anfang an mitzubedenken?
Anja wiederum erzählt, dass ihr manchmal ein „Arschtritt“ oder eine Deadline hilft. Gleichzeitig wünscht sie sich:
Dass ich es endlich mal schaffe, nur eine oder zwei Aufgaben auf meine To-Do-Liste packe und diese auch abarbeite. Das wäre schön.
Da bin ich mit meinen Vorhaben für meine drei Stunden wohl in guter Gesellschaft.
Die Teilnehmerin, die sich über das ausgebliebene Lebenszeichen ihrer Freundin geärgert und anschließend selbst getadelt hatte, wünscht sich:
Großzügigkeit und Nachsicht anderen und mir gegenüber, die Energie, Entscheidungen zu treffen
❥ Mehr Priorität für die Pause.
❥ Selbstverständlicher für sich einstehen.
❥ Weniger auf einmal vornehmen.
❥ Nachsicht üben und Entscheidungen treffen können.
Die Frauen haben durchaus konkrete eigene Vorstellungen davon, was ihnen guttun könnte.
Mich interessiert, welchen Rahmen es braucht, damit daraus im Alltag etwas spürbar Entlastendes werden darf.
Ein Rahmen, kein Korsett
Was könnte außerdem helfen, damit eigene Vorhaben einen Platz bekommen? Vier der sechs Frauen nannten einen Anstoß oder Impuls von außen. Drei wählten eine kleine eigene Routine, zwei einen geschützten Zeit-Raum.
| Was hätte geholfen? | Stimmen (von 6) |
|---|---|
| Ein Anstoß oder Impuls von außen | 4 |
| Eine kleine eigene Routine | 3 |
| Ein geschützter Zeit-Raum | 2 |
| Austausch mit anderen, die das kennen | 2 |
Diese Antworten erinnerten mich an meine Arbeit als Erzieherin.
Unsere pädagogischen Angebote hatten Beobachtungen, Überlegungen zu Methodik und Didaktik sowie eine Zielausrichtung als Grundlage: Welche Erfahrung möchte ich diesem Kind oder dieser Gruppe ermöglichen? Was braucht es dafür?
Dazu gehörte ein Plan. Gleichzeitig konnte ein Angebot jederzeit ganz anders von den Kindern aufgenommen werden als gedacht. Ein Kind entdeckte etwas, das ich gar nicht vorgesehen hatte. Die Gruppe folgte einer eigenen Idee, auf die ich gar nicht gekommen wäre.
Und daraus entstand eine wertvolle Erfahrung.
Unser Angebot bildete also einen Rahmen. Kein Korsett. Wie beengend wäre es geworden, wenn ich jede Bewegung zurück in Richtung meines geplanten Ergebnisses – ja, fast schon – gedrängt hätte.
Das ist im Coaching recht ähnlich. Schließlich habe ich keine Ahnung, was meine Frage oder der jeweilige Gesprächsverlauf bei meinem Gegenüber schlussendlich bewirken kann. Oder welche gedanklichen Prozesse sich noch im Gespräch, welche danach und welche sich womöglich erst viel später entwickeln.
Wir wissen eben nie wirklich genau, was in einem anderen vorgeht. Auch nicht, welche Bilder, Assoziationen und Prozesse im Gegenüber in Gang gesetzt werden. Deshalb ist mir wichtig, gemeinsam hinzuspüren und nachzufragen:
❥ Was klingt gerade an?
❥ Wie geht es dir damit?
❥ Was brauchst du jetzt?
Dein eigenes Erleben gibt die Richtung und das Tempo vor. Nicht umsonst sprechen wir von Begleitung und gemeinsamem Erkunden. Wie ich das genau verstehe, beschreibe ich auch in meinem Artikel Curriculum mobile – eine lebendige Haltung.
Meine Ausbilderin und Mentorin, die Trauma-Expertin Savina Tilmann, berichtete kürzlich von einem sehr berührenden Brief einer ehemaligen Klientin – über 10 Jahre (!) später.
Savina hat meine Haltung als Coachin mitgeprägt. Sehr gerne lege ich dir ihr Buch mit „111 Wahrheiten, die dein Leben verändern können“ als Einladung ans Herz, dir selbst mit einem verständnisvolleren Blick zu begegnen: „Du bist doch nicht normal“.
Wie so viele Kinder der 70er und 80er Jahre gehe ich mit meinen eigenen Vorhaben manchmal (noch) ein wenig strenger um. Auch wenn ich bereits seit längerem daran arbeite, liebevoller mit mir zu sein.
Dabei darf ich auch mir einen Rahmen gestalten: eine kleine Gewohnheit, einen Impuls, einen Platz im Kalender. Unterwegs halte ich immer wieder inne, um wahrzunehmen, was daraus entsteht. Bewusst. Achtsam. Reflektiert.
Anjas Schreibabend erinnert mich daran.
Ebenso die unterschiedlichen Wünsche der anderen Frauen: mehr Priorität für die Pause, Nachsicht mit sich selbst, Austausch oder jemanden, der zuhört und mit nach neuen Perspektiven schaut.
Die passende Unterstützung kann ganz unterschiedlich aussehen. Deshalb lohnt sich die Frage danach.
Was steckt wirklich hinter „Eigentlich wollte ich …“?
Meine Wette auf die Zeit hat mich weitergeführt.
In diesen sechs Antworten begegnen mir Menschen, die etwas vorhaben und zugleich mit anderen Bedürfnissen, Erwartungen und Voraussetzungen umgehen. Manchmal fehlt eine innere Erlaubnis. Manchmal gewinnt eine andere Tätigkeit. Manchmal reicht die Kraft nicht oder ein konkretes Hindernis steht im Weg.
Für mich liegt darin die Einladung, genauer hinzuschauen. Insbesondere, bevor ich mich bewerte.
Mein WochenJournal ist genau in dieser Zeit allen Verpflichtungen zum Trotz fertig geworden. Lange war da noch diese oder jene Idee, die unbedingt hineinwollte. Und noch eine.
Irgendwann erlaubte ich mir zu entscheiden: Diese Fassung darf jetzt in die Welt. Sie ist gut genug. Auch ich darf mich darin üben, mir weniger auf einmal vorzunehmen und mit mir selbst nachsichtiger zu sein.
Und genau dafür bietet das Journal einen Rahmen an: den eigenen Bedürfnissen mehr Augenmerk schenken, ihnen einen Platz im Tag geben und herausfinden, was gerade guttun würde.
Vielleicht werden daraus zunächst zehn Minuten für dich.
Und mit der Zeit etwas mehr Selbstverständlichkeit, sie dir auch zu nehmen.
Auch dieser Blogartikel gehört zu meinen persönlichen „Eigentlich wollte ich …“-Vorhaben. Während er entstand, habe ich andere Prioritäten gesetzt, Pausen verschoben und einige meiner eigenen Gedanken neu sortiert.
Dabei haben sich wieder einige meiner vielen Fäden miteinander verwoben: die Erfahrungen als Erzieherin, meine Haltung als Coachin, das Journaling und die Stimmen der Frauen aus der Umfrage.
WunderBAR unperfekt reicht völlig. Für uns alle.

Und was ist dein „Eigentlich wollte ich …“?
Vielleicht hat dich beim Lesen dein eigenes „Eigentlich wollte ich …“ begleitet. Die Fragen meiner Umfrage am Ende des Artikels laden dich zu einer kleinen persönlichen Reflektionsreise ein. Wenn du deine Erfahrungen mit mir teilen magst, freue ich mich – die Umfrage bleibt einstweilen geöffnet. Vielleicht entsteht aus weiteren Stimmen später ein neuer Blick auf das Thema.
Schau dir vielleicht eines deiner Vorhaben heute liebevoll etwas näher an:
❥ Was wolltest du tun – und was hast du stattdessen getan?
❥ Was hat dabei Vorrang bekommen?
❥ Was brauchst du jetzt vielleicht, damit dein Vorhaben einen passenden Platz finden kann?
Lust auf einen eigenen kleinen Rahmen hierfür?
In meinem WochenJournal „Die beste Zeit ist JETZT“ findest du Einladungen zum Wahrnehmen, Ausprobieren und Reflektieren. Du darfst auswählen, was gerade zu dir passt. Vielleicht ist das ein Anfang? Sieben Tage, die dich wieder sanft mit dir verbinden.
Eine Einladung – keine neue To-Do-Liste!

DANKESCHÖN !
Von Herzen DANKESCHÖN an Marion von gluecksuniversum.de, Hanna, Sabine von it-heimsch.de, Anja von anjaskreativecke.de und an die beiden wunderBARen Teilnehmer:innen, die anonym bleiben möchten – für euer Vertrauen und für eure Beiträge.
Danke vielmals, dass ihr mir euer „Eigentlich wollte ich …“ anvertraut habt und eure Ansichten mit uns teilt. Für meine Vision: Gemeinsam. Vielseitig. Echt.
