Ich dachte, ich schreibe einen Rückblick.
Und merke: Es ist eher ein Innehalten.
Anfang Februar stand ich noch mit der Schneeschaufel in der Hand. Der Atem sichtbar in der kalten Luft. Meine Schritte langsamer als sonst.
Ich begann kleine Videos zum Thema Lebens-Rhythmus aufzunehmen. Ich stellte fest: Wenn außen alles gedämpft ist, wenn sich der Boden unter den Füßen verändert, verändert sich nicht nur mein äußeres, sondern auch mein inneres Tempo.
Rhythmus unter der Oberfläche

Der Bach, der meiner Adresse seinen Namen gibt und durch den nahen Wald fließt, lief unter einer geschlossenen Eisschicht weiter. Mein Hund trinkt dort unterwegs gern und kühlt im Sommer seine Pfoten. Jetzt, im Winter, war der Bachlauf unsichtbar – und doch hörbar.
Das hat mich fasziniert.
Unter scheinbar festen Oberflächen bleibt Bewegung.
Im Untergrund – im Unterbewussten – läuft vieles weiter wie gewohnt.
Wahrnehmbar nur, wenn ich aufmerksam werde.
Am letzten Wochenende dieses Monats sitze ich ohne Jacke in der Sonne.
Ein Cappuccino in der Hand, eine Katze auf dem Schoß, ein zufrieden in der Sonne schmatzender Hund zu meinen Füßen.
Ich sehe und höre Kohl- und Blaumeisen, Amseln, Zilpzalp und Buchfinken – und ein Grünspecht lacht immer wieder dazwischen.
Hat dich hier etwas berührt? Dann komm mit in meine WunderB.A.R.! In meiner wunderBARen Post schicke ich dir kleine Erinnerungen an dich selbst – leise, ehrlich und mit einer Prise Leichtigkeit. 🌿
Wenn das Leben die Karten mischt

Zwischen diesen Momenten lag ein Monat, der es in sich hatte.
Vier Fortbildungstage in der Zentrale meiner Versicherungsgemeinschaft für die ich nebenbei tätig bin, standen an. Ein traditionsreiches Unternehmen, in dem KundenSERVICE – tatsächlich so vom Leiter der Abteilung in seiner Präsentation betont – seit 1864 großgeschrieben wird.
In unserer Agentur in Salzhausen bringt es meine Leiterin in ihrer klaren, partnerschaftlichen Art auf den Punkt: Wir helfen Menschen in Not.
Dieser administrative, klar strukturierte Kontext unterstützt derzeit den Aufbau meiner Selbstständigkeit und bildet zugleich einen bewussten Kontrast zu meinem Wirken als Coach.
Neue Perspektiven.
Neue Verdichtungen.
Neue Kontexte.
Wieder daheim gab ich mich dem Karneval hin – Lebensfreude, Musik, Gemeinschaft, Humor bei der Stunksitzung.
Erneut durfte ich spüren: Singen – besonders in Gemeinschaft – trägt unmittelbar zum Wohlbefinden bei und stimuliert den ventralen Vagusnerv.
Aus dieser Stimmung heraus zog ich die nächsten Karten meines Kartendecks, das mich seit den Rauhnächten durch meine persönliche Reflektionspraxis begleitet. Ich war mir nicht sicher, ob die Karte Heilung schon wieder abgeschlossen ins Deck zurückkehren durfte.
Meine nächsten Aufgaben zeigten sich in Form einer
Verabschieden-Karte: Krankheit sowie einer
Willkommen-Karte: Kraft.

Am 16. fotografierte ich den Kölner Dom vom Fernseher ab – Rosenmontag in unserem Wohnzimmer.
In diesen Tagen reflektierte ich eine Menge. Es waren sehr emotionale Tage – wie jedes Jahr zur jecken Zeit.
Unerwartete Zäsur
Während der Karnevalswoche hatte ich über diese besondere rheinische Jahreszeit und ihre Bedeutung für mich geschrieben.
Soeben hatte ich auf Veröffentlichen geklickt und der Artikel war online, klingelte das Telefon: die Nachricht vom Tod meiner Mutter.
Das Leben wartet nicht auf einen dramaturgisch günstigen Zeitpunkt.

So stand ich denn am 18. vor dem Dom.
Live.
Und in Farbe – wenn auch eher gedeckt, als ob es angesichts der Konfettireste in den Fugen angebracht sei, getragene Stimmung anzubieten.
Hier war mein Haltepunkt auf einer Reise ins Ungewisse.
Und in meine Vergangenheit.
Integration
Nach Rückkehr und nur einem Wochenende zum Luftholen folgte eine zweite intensive Fortbildungswoche in Hannover.
Hinzu kam ein berührendes Treffen mit meiner Facereading-Coachin am letzten Abend in Hannover. In diesem Blogartikel hatte ich über diese besondere Erfahrung berichtet.
In der Kürze unserer gemeinsamen Zeit erlebte sie mich als sprudelnden Wasserfall – waterfall, Wörterfall, wie wir lachend während eines ausgiebigen Spazierganges gemeinsam an Formulierungen feilten.
Bislang kannte Katharina mich ja einzig aus dem Online-Facereading.
Wir sprachen unter anderem über Facetten.
Bin ich stimmig? Stehe ich unter Druck? Oder ist es die komprimierte Zeit, die wir nur füreinander haben – in Kombination mit meiner emotionalen Gemengelage, die einfach da sein darf?
Aus meiner Reflektion darüber, wie sie mich wahrgenommen hat, entstand nach Rückkehr meine Tafel für die Küche mit dem Lettering:
Ganz. Lebendig. Zuhause.

Wieder ankommen.
Integration.
Mit einer Fülle neuer Eindrücke.
Und mit einer neuen Klarheit für das, was da ist – nicht für alles, was noch kommen soll.
Regulierung statt alles im Griff haben
Und mittendrin ich.
Ich habe gemerkt, wie sehr mein Nervensystem in solchen Phasen gefordert ist.
Wie schnell Abläufe sich ändern.
Wie wichtig es ist, reguliert zu bleiben – nicht perfekt.
Gerade in meiner Extremsituation hat mir das unfassbar geholfen.
Nicht zu funktionieren. Auch nicht funktionieren zu wollen.
Sondern wahrzunehmen.
Zu atmen.
Danach dann erst bewusst zu handeln.
Schritt für Schritt.
Das gilt auch im Kleinen.
Ein plötzlich humpelnder Hund kurz vor Ende eines längeren Spazierganges. Eine für tags drauf geplante deutlich kleinere Runde, die dann doch größer werden darf – nur eben gemächlicher.
Tempo passt sich an.
Rhythmus verändert sich.
Früher hätten mich solche Monate völlig aus dem Gleichgewicht gebracht. Heute merke ich: Ich darf sortieren. Ich darf langsamer werden. Ich darf neu priorisieren.
Nicht alles läuft rund. Aber ich weiß inzwischen, wie ich wieder in meine Mitte finde.
Manchmal braucht es keinen radikalen Neustart. Ich nutze Regulierung und muss nix im Griff haben. Mich hat andersherum auch nix mehr im Griff.
Ich nehme mir einen bewussten Moment des Sortierens und den Mut, mir selbst wieder zuzuhören.
Einladung
Vielleicht kennst du solche Phasen.
Nicht chaotisch.
Aber voll. Und innerlich leicht unrund.
Und vielleicht irritiert dich,
dass du trotz all deiner Erfahrung gerade nicht weißt, was richtig ist.
Vielleicht beginnt Veränderung nicht mit einer großen Entscheidung.
Sondern mit einem ehrlichen Gespräch.
Ich bin da.
